Richtlinien zur Fort- bzw. Weiterbildung „Spezielle Schmerzpsychotherapie“

§ 1  Präambel

1)
Schmerz, ein unangenehmes Sinnes- und GefĂĽhlserlebnis, kann mit tatsächlicher oder möglicher Gewebsschädigung verknĂĽpft sein oder wird mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben. Auch die Wahrnehmung von nachweislich auf Gewebsschädigung basierenden akuten und chronischen Schmerzen unterliegt psychischen Faktoren, die wesentlichen Einfluss auf die schmerzbedingte Lebensgestaltung haben. Viele chronische Schmerzzustände basieren weiter auf sog. neuroplastischen Lernprozessen; Gewebsschädigungen gelten dabei nicht als eigentliche Ursache der Schmerzempfindung oder sind nicht (mehr) vorhanden.  Die psychologisch begrĂĽndete Schmerztherapie umfasst daher Konzepte und Verfahren zur Reduktion der psychischen Ursachen und Auswirkungen von Schmerzempfindungen sowie weitere speziell auf Schmerz ausgerichtete psychotherapeutische Methoden, die neuroplastisch begrĂĽndbaren Chronifizierungsprozessen entgegenwirken.
Psychologische Psychotherapie beinhaltet einen Kanon von Störungstheorien, Diagnose- und Behandlungsverfahren, der auch  bei Schmerzpatienten anwendbar ist, soweit bei ihnen nach internationalen Klassifikationskriterien psychische Störungen bedeutsam sind. Intensive akute wie auch chronische Schmerzen fĂĽhren jedoch häufig zu neuronalen und psychischen Veränderungen, die das Schmerzempfinden langfristig intensivieren und unerwĂĽnschte (dysfunktionale) psychosoziale Veränderungen nach sich ziehen. Um auch bei Patienten mit vorwiegend körperlichen Beschwerden die intrapsychischen und  interaktionellen Aspekte ihrer Erkrankung schmerztherapeutisch stärker nutzen zu können, sind im Rahmen der psychologischen Schmerztherapie spezielle, interdisziplinär ausgerichtete Methoden der Schmerzdiagnostik und Schmerztherapie entwickelt worden. Sie haben sich in zahlreichen wissenschaftlich kontrollierten Studien als effektiv erwiesen und ihren festen Platz in der Versorgung von Patienten mit ausreichend körperlich und vermutlich neuroplastisch, behavioral oder psychodynamisch begrĂĽndbaren Schmerzen gefunden. Der Beitrag psychologischer Erkenntnisse  zur speziellen Schmerz-Psychotherapie soll zur psychotherapeutischen Arbeit mit dieser Klientel zusätzlich qualifizieren und die fachlichen Grundlagen fĂĽr wissenschaftlich anerkannte Methoden vertiefen, die zur Verhinderung von Chronifizierungsprozessen geeignet sind.
Zur Verbesserung der Versorgung von Schmerzpatienten durch Psychotherapeuten haben die Deutsche Gesellschaft fĂĽr Psychologische Schmerztherapie und -forschung (DGPSF),  die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS), die Deutsche Gesellschaft fĂĽr Schmerztherapie e.V. (DGS) und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) die nachfolgenden Richtlinien fĂĽr die Fort-/Weiterbildung in psychologischer Schmerzbehandlung erarbeitet.

2)
Diagnostik und Therapie chronischer Schmerzzustände können ebenso wie präventive Maßnahmen nur interdisziplinär erfolgen. Aus diesem Grunde wird bereits in der Fort-/Weiterbildung eine enge Kooperation zwischen den an der Schmerzbehandlung beteiligten Berufsgruppen angestrebt.

3)
Die hier beschriebene Fort-/Weiterbildung setzt Ausbildungen nach dem PsychThG oder vergleichbare Facharztweiterbildungen voraus.

4)
Die Bestätigung der Fort-/Weiterbildung in psychologisch begrĂĽndeter Schmerztherapie durch ein DGPSF/DGSS/DGS/DMKG-Zertifikat ,„Spezielle Schmerzpsychotherapie“ erfolgt erst nach Abschluss der psychologischen Psychotherapieausbildung  bzw. der einschlägigen Facharztweiterbildung.