12. Jahrestagung der DGPSF in Essen

Der Glaube „versetzt“ Schmerzen

Am 18. und 19. Juni 2010 fand in der Essener Universitätsklinik die 12. Jahrestagung der DGPSF statt. Die Tagung ist traditionell das Hauptforum der „Psychologischen Schmerzszene“ in Deutschland, auf der sich alle an der „Psychologischen Schmerztherapie“ Interessierten jährlich zusammenfinden und austauschen. Sie wurde in diesem Jahr von Dr. Günther Fritsche und dem Kongresskomitee (M. Dlugaj, J. Frettlöh, M. Hüppe, H. Sorgatz) ausgerichtet.

Über 200 Psychologen und Mediziner diskutierten in Vorträgen und Arbeitsgruppen zum Thema „Schmerz und Bewusstsein“, eine Schnittstelle von Psychologie und Neurowissenschaften. Das vielfältige Programm enthielt Festvorträge, Nachwuchssymposien, klinische- und forschungsrelevante Symposien sowie praxisbezogene Workshops.

Für die Festvorträge konnten die hervorragenden Keynote-Speaker PD Dr. Ester Pogatzki-Zahn („Schmerz und Geschlecht“) und Prof. Dr. Christoph Maier („Fälschung in der Forschung“) gewonnen werden. In zwei Nachwuchssymposien, die durch den Präsidenten der DGPSF (Prof. Dr. Michael Pfingsten) und durch die Vizepräsidentin (Dr. Regine Klinger) geleitet wurden, präsentierten jüngere Mitglieder der Gesellschaft ihre aktuellen Forschungsergebnisse. Wissenschaftspreise wurde in diesem Jahr vergeben an Dr. Andrea Wendt („Beeinträchtigung und Selbstwirksamkeitserwartung bei chronischen RückenschmerzpatientInnen“), Dr. Leißner („Zur Versorgungssituation traumatisierter Flüchtlinge am Beispiel des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm“) und Dr. Michael Dobe („The Pain Provocation Technique as an Adjunctive Treatment Module for Children and Adolescents with Chronic Disabling Pain: A Case Report”).

Sechs Symposien verdeutlichten die rasche Entwicklung und die klinische Bedeutsamkeit der psychologischen Schmerztherapie in den letzten Jahren.

In Symposium „Neue Ansätze für die Schmerzpsychotherapie“ (Vorsitz: Prof. Dr. Hardo Sorgatz) wurde ausgeführt, dass die derzeit angewandten bewältigungsorientierten und Bewusstsein schaffenden Therapieverfahren zusammen mit motivierenden Interventionen nicht ausreichen, den von Grawe (2000) postulierten Störungsattraktor „Schmerz“ soweit zu destabilisieren, dass eine wesentliche Symptomreduktion erfolgt. Es wurden Möglichkeiten diskutiert durch therapeutisches Herbeiführen von Destabilisierungszuständen zusätzliche Schmerzlinderungen zu erzielen.

Im Zentrum des Symposiums „Evidenz psychologischer Schmerztherapie“ (Vorsitz: Prof. Dr. Michael Hüppe) standen aktuelle Metaanalysen zur Wirksamkeit psychologischer Interventionen. Es wurde aufgezeigt, wie viel Veränderung bei Patienten während einer Schmerzbehandlung stattfinden muss, um als Behandlungserfolg oder bedeutsame Verbesserung erlebt zu werden.

In einem weiteren Symposium zum Thema „Bildgebung und Schmerz“ (Vorsitz: Dr. Katja Wiech) erhielten die Zuhörer einen kritischen Einblick in die klinische Bedeutung funktioneller Bildgebung. Die Möglichkeiten und Grenzen dieser Technik und mögliche Ansatzpunkte für einen Transfer in die Praxis wurden aufgezeigt und diskutiert.

Unter dem Vorsitz von Dr. Jule Frettlöh wurden in dem Symposium „Körperbild und Schmerz“ zunächst neurobiologische Grundlagen der Körperwahrnehmung vorgestellt. Am Beispiel der neuropathischen Schmerzbilder CRPS und Phantomschmerz wurden mögliche Körperbild- und Körperschemastörungen diskutiert und die Anwendung und Wirkung von Spiegeltherapie als ein darauf abzielendes Verfahren vorgestellt.

Das Symposium „Psychologische Intervention und Opioide“ (Vorsitz: Dr. Henriette Reinecke) knüpfte an die aktuelle und vielfach diskutierte S3-Leitlinie LONTS an. Möglichkeiten der Effektverbesserung der durch Opioide erzielten analgetischen Effekte durch kognitiv-behaviorale Interventionsmaßnahmen wurden diskutiert.

Im Symposium „Schmerz bei Kindern“ (Vorsitz: Dr. Tanja Hechler) wurden die beträchtlichen interindividuellen Unterschiede in Schmerzcharakteristika, Beeinträchtigungen im Alltag und in Bewältigungsstrategien bei Kindern mit chronischem Schmerz und elterliche Reaktionen deutlich. Die daraus für Schmerztherapeuten resultierenden Therapieoptionen und -strategien wurden verdeutlicht.

Vier praxisorientierte Workshops zu den Themen „Imagination und Schmerz“ (Leitung: Kornelia Gees), „Akzeptanz und Achtsamkeit in der Schmerztherapie“ (Leitung: Dr. Joachim Korb), „Einführung in die Schmerzpsychotherapie für Ärzte“ (Leitung: Dr. Jule Frettlöh) und „Abschluss der SSPT-Fort-/Weiterbildung“ (Leitung: Prof. Dr. Michael Hüppe) rundeten die Tagung ab.

RĂĽckmeldung von G.E., Schmerzpsychotherapeut aus Bochum:
„Mir hat der Kongress sehr gut gefallen. Die Organisation war reibungslos, die Auswahl der Themen von kritischen Analysen, praxisnahen Studien und intensiven Workshops war vielfältig und interessant. Besonders herauszuheben war die diskutierfreudige freundliche Atmosphäre“.

Rückmeldung von M.R.K., Oberärztin und ärztliche Schmerztherapeutin aus Berlin:
„Aus dem Workshop ‚Akzeptanz und Achtsamkeit’ von Herrn J. Korb konnte ich einige sehr an-regende Tipps und Methoden für meinen Alltag mitnehmen. Die Vorträge über Körperbild und Schmerz waren exzellent und mit sehr vielen neuen Informationen unterfüttert. Auch die Art der Vorträge gefiel mir sehr. Ich habe sie als außerordentlich spannend erlebt. Die Organisation - auch das abendlichen Kongressfest in der Fabbrica Italiana - war perfekt.“