SCHMERZGEDĂ„CHTNIS BEI KINDERN

WENN SCHMERZEN SPUREN HINTERLASSEN
Kinder frĂĽh behandeln, Chronifizierung vermeiden

 

11. DGPSF-TAGUNG, UNIVERSITĂ„T HAMBURG, 12. JUNI 2009.

Das Kleinkindalter ist eine besonders sensible Phase für Veränderungen des Schmerz verarbeitenden Systems. „In einer Reihe von Studien konnten wir bei Schulkindern mit frühen Schmerzerfahrungen zeigen, dass insbesondere früh geborene Kinder mit Schmerzerfahrungen unmittelbar nach der Geburt im späteren Kindes- und Jugendalter eine veränderte Schmerzwahrnehmung haben“, so Professor Christiane Hermann von der Universität Gießen. „Je früher Kinder Schmerzen durchmachen, desto schmerzempfindlicher werden sie“. Auch verletzungsbedingte Schmerzen auf Grund einer Verbrühung oder Verbrennung im Kleinkindalter können das Schmerzerleben längerfristig negativ beeinflussen.

KLEINE SCHMERZPATIENTEN BEHANDELN – EIN LEBENSLANGES SCHMERZPROBLEM VERMEIDEN

Leiden Kinder und Jugendliche an wiederholt auftretenden Schmerzen wie z. B. Bauch-schmerzen oder Migräne, so lässt sich ein spezifisches Muster an Veränderungen der Schmerzempfindlichkeit und schmerzbezogener Aufmerksamkeit beobachten, das die weitere Chronifizierung des Schmerzproblems begünstigt. „Einerseits steigt die Schmerzempfindlichkeit aufgrund der Spuren im Schmerzgedächtnis. Zum anderen lenken Kinder und Jugendliche ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf möglicherweise schmerzhafte Körperempfindungen, so dass der Schmerz immer mehr Raum im Leben einnimmt“, so Christiane Hermann. Neue Studien zeigen, dass die spezifische Schmerzpsychotherapie Kindern und Jugendlichen mit wiederholt auftretenden Schmerzen helfen und sie aus dem Teufelskreis von Schmerzen und Einschränkung ihrer Lebensweise herausholen kann. Wichtig ist hier, dass auch die Eltern lernen, ihrem Kind wieder Aufmerksamkeit und Zuwendung ganz unabhängig vom Schmerz zu schenken und es unterstützen, wieder aktiv in der Schule, in der Freizeit, mit Freunden und zuhause zu sein.

GENAU HINSEHEN BEI KINDERN: HĂ„UFIGE SCHMERZEN NICHT BAGATELLISIEREN

Gerade Kopfschmerzen mit Tendenz zur Chronifizierung werden bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger gesehen. Jedes zweite Kind zwischen sieben und 14 Jahren klagt über Spannungskopfschmerzen. Am schlimmsten trifft es 13- bis 14jährige Mädchen, von denen 13 Prozent unter wöchentlichem Kopfweh leidet. Die Gefahr, dass sich daraus chronische Kopfschmerzen entwickeln, ist laut Professor Christiane Hermann hoch. Zu den psychosozialen Risikofaktoren gehören Schulstress, Konflikte in der Familie, häufiges Fernsehen und belastende Lebensereignisse. Die betroffenen Kinder sind medizinisch und psychologisch unterversorgt. Gerade bei Kindern und Jugendlichen muss aber früh behandelt werden, um die Gefahr eines dauerhaften Schmerzproblems zu vermeiden. Denn: Aus Kindern und Jugendlichen, die an chronischen Schmerzen leiden, werden nicht selten Erwachsene mit einem Schmerzproblem.

      
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Universität Hamburg
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