„Schmerz und Trauma“ – DGPSF-Jahrestagung in Ludwigshafen 2018

In der BG Klinik Ludwigshafen fand vom 4.-5.05.2018 die diesjährige Jahrestagung der DGPSF unter der Schirmherrschaft von Herrn Prof. Grützner und organisiert von der Abteilung für Psychologie statt. An zwei Tagungstagen fanden Workshops und ein umfangreiches Vortragsprogramm zu Schmerz und Trauma statt. Aus Deutschland, Österreich und der Schweiz fanden sich in den Seminarräumen und dem Hörsaal der BG Klinik Ludwigshafen 180 Teilnehmer ein mit dem beruflichen Schwerpunkt der psychologischen Schmerztherapie im ambulanten und stationären Setting sowie interessierte KollegInnen des Psychotherapeutenverfahrens der DGUV.

Nach Grußworten von Dr. Henry Kohler im Namen des Hauses, Herrn Prof. Hüppe dem Präsidenten der DGPSF und Dr. Monika Weiß, Tagungspräsidentin, führte im ersten Themenblock der ehemalige ärztliche Direktor der BG Klinik Ludwigshafen, Prof. A. Wentzensen, die psychologischen Teilnehmer in die unfallchirurgische Perspektive ein; ausgehend von geschichtlichen Aspekten der Entwicklung unfallchirurgischer Methoden bis zu aktuellen Behandlungsansätzen erhielten die Teilnehmer Eindrücke in die unfallchirurgische Behandlung, gefolgt von einem Vortrag von Herrn Dr. Ullmann, ltd. Psychologe der Unfallklinik Bergmannstrost in Halle zur psychologischen Perspektive der Krankheitsverarbeitung nach einem Unfall. Die Geschäftsführerin der BGW BV Würzburg und Leiterin des AK Trauma und Psyche der DGUV, Claudia Drechsel-Schlund, führte die Teilnehmer danach in das Psychotherapeutenverfahren der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ein und verwies darauf, dass man hier an einer Integration der Schmerzpsychotherapie zur Ergänzung des ambulanten Behandlungsnetzwerkes der DGUV für Patienten mit der besonderen Problematik chronifizierter Schmerzen, arbeite. Frau Dr. Frettlöh, Bergmannsheil, ging im Folgenden auf die Schuldfrage und Schuldattributionen und die Auswirkungen insbesondere des Umstandes der Wahrnehmung eines Fremdverschuldens auf den Heilverlauf ein. Herr Prof. Dreßing vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit referierte im Anschluss zu psychiatrischer Begutachtung bei Unfalltraumata.

Der Festvortrag zum Thema „Resilienz in der Bewältigung von Trauma und Schmerz“ von Frau Dr. Wessa, Deutsches Resilienz-Zentrum Mainz in Kooperation mit der Gutenberg Universität, stellte relevante und prognostisch kritische Aspekte für den Umgang mit belastenden Lebensereignissen auf der Basis aktueller Forschung dar. Resilienz ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Als vorherrschend wichtige Resilienzfaktoren stellte sie sozialen Status, Optimismus und soziale Unterstützung dar, welche auf die Ausprägung der Immunisierung, Fähigkeiten zur Gefühlssteuerung und geistige Flexibilität nachgewiesenen Einfluss hätten. Auch genetische Aspekte seien relevant; die klinischen Studien sprächen dabei aktuell dafür, dass die Wahrnehmung von Selbstwirksamkeit diesen Faktor in der Bedeutung reduziere.

Nach der Vorstellung ausgewählter Poster von Nachwuchswissenschaftlern und der Posterpreisverleihung galt der folgende Schwerpunkt Techniken der interpersonellen und systhemischen Therapie bei Schmerzpatienten. Herr Prof. Grosse Holtforth vom Inselspital der Universität Bern referierte zu eigener Forschung zu interpersonellem Verhalten bei Schmerzpatienten. Frau Dipl. Psych. Hanne Seemann führte die Teilnehmer in hypnosystemische Aspekte in der Behandlung von Schmerzpatienten ein mit einer Reihe von Beispielen aus ihrer langjährigen klinischen Praxis mit diesem Patientenklientel. Die Übertragung der CBASP (Cognitive behavioral Analysis System of Psychotherapy von J. Mc. Cullough), einer kognitiv-behavioralen Technik zur Behandlung depressiver Patienten, auf das schmerztherapeutische Klientel in der Schmerzklinik in Tutzing stellte Frau Dr. Dr. Liwowsky vor.

Frau Dr. Wicking von der Schmerztherapie im Bergmannsheil referierte zur Forschung zur Anwendung der traumatherapeutischen Technik des EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing, F Shapiro) bei Schmerzpatienten. Da bei anhaltenden Schmerzen das affektive Zentrum einen wesentlichen Einfluss hat, zielt die schmerztherapeutische Behandlung auf ein Umlernen dieser affektiven Qualität und damit einer Reduzierung der Schmerzwahrnehmung bzw. des Schmerzleidens.

Den Vortragskanon beschloss ein einstündiger Vortrag von Frau Dipl. Psych. Ann-Kathrin Pütz von der Universität Konstanz, die im Rahmen eines Forschungsprojektes in Zusammenarbeit mit der Flüchtlingshilfsorganisation VIVO international die Implementierung der Narrative Exposure Therapy (NET, Schauer 2011) als evidenzbasierter Technik.

Zum Abschluss des inhaltlich und organisatorisch sehr positiv aufgenommenen Programms dankte Prof. Hüppe dem Team der Abteilung der Psychologie und insbesondere der Tagungsprojektgruppe mit Christoph Casper, Anna Repplinger und der Tagungspräsidentin Dr. Monika Weiß für die Organisation und Ausrichtung der Tagung und Frau Prof. Hermann lud für 2019 zur DGPSF-Jahrestagung nach Gießen ein.