ARBEITSKREIS "KINDERSCHMERZ-PSYCHOTHERAPIE" DER DGPSF

Sprecherin

Dr. Lea Höfel
Diplom-Psychologin, Kinderklinik Garmisch-Partenkirchen gGmbH und Zentrum für Schmerztherapie junger Menschen, Garmisch-Partenkirchen

Weitere Mitglieder

Dipl.-Psych. Uta Damschen

Dr. Dipl.-Psych. Michael Dobe

Prof. Dr. Christiane Hermann

Prof. Dr. Tanja Hechler

Dr. Dipl.-Psych. Julia Wager

DAS PROBLEM CHRONISCHER SCHMERZEN BEI KINDERN UND JUGENDLICHEN

Chronische Schmerzen sind im Kindes- und Jugendalter mit einer Prävalenz von 30-50% sehr häufig. Etwa 8% aller Kinder und Jugendlichen (im Folgenden: Kinder) berichten, dass ihre Schmerzen stark und beeinträchtigend sind. Bei etwa 2-3% der Kinder sind die Beeinträchtigungen infolge chronischer Schmerzen so hoch, dass negative Konsequenzen wie starke schmerzbezogene Lebensbeeinträchtigung, häufige Schulfehltage und emotionaler Stress sowohl für das Kind als auch für die Familie die Folge sind. Eine Untersuchung zur Epidemiologie von Anhaltenden Somatoformen Schmerzstörungen (diagnostiziert nach den Kriterien des DSM-IV) an 14-24 Jährigen fand eine Prävalenz von 1,5% in Deutschland. 

Die Beeinträchtigungen durch chronische Schmerzen auf der einen sowie eine erhöhte emotionale Belastung auf der anderen Seite beeinflussen und verstärken sich dabei gegenseitig, wie verschiedene Studien bei betroffenen Kindern und ihren Familien zunehmend zeigen. Die Eltern oder Bezugspersonen der Kinder sind häufig emotional stark belastet und neigen zu Reaktionen auf die Schmerzen, die den Teufelskreis der Schmerzen zusätzlich verstärken können. Die schmerzbezogenen Beeinträchtigungen werden auch durch inadäquate schmerzbezogene Copingstrategien, katastrophisierende schmerzbezogene Gedanken und fehlende Selbstwirksamkeit bei bestehenden Schmerzen der Kinder negativ beeinflusst. 

Trotz dieser alarmierenden Zahlen und Fakten ist die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit akuten und chronischen Schmerzen in Deutschland immer noch mangelhaft. Dies ist umso unverständlicher, als dass chronische Schmerzen im Kindes- und Jugendalter bis ins Erwachsenenalter persistieren. Auch die Kosten, die mit einer Chronifizierung einhergehen stellen ein ernst zu nehmendes gesellschaftliches und ökonomisches Problem dar. 

Weder im Medizinstudium oder in der Facharztausbildung noch im Psychologiestudium oder in der Psychotherapeutenausbildung sind bisher entsprechende Curricula in ausreichender Form aufgenommen worden. Auch fehlt es in Deutschland flächendeckend an Versorgungsstrukturen für chronisch schmerzkranke Kinder. 

ZIELE DER ARBEITSGRUPPE:

Aus diesem Grunde verfolgt die Arbeitsgruppe „Psychologische Schmerztherapie bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen“ der DGPSF folgende Ziele:

  1. Verdeutlichung der besonderen Bedürfnisse von Kindern sowie deren Familien mit chronischen Schmerzen und schweren chronischen Erkrankungen.
  2. Bereitstellung einer Informationsplattform für Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen und Psychologische PsychotherapeutInnen.
  3. Anlaufstellen und Adressen
  4. Update über den aktuellen Stand der Forschung im Bereich Kinderschmerztherapie und Pädiatrische Palliativmedizin.

VERDEUTLICHUNG DER BESONDEREN BEDÜRFNISSE VON KINDERN SOWIE DEREN FAMILIEN MIT CHRONISCHEN SCHMERZEN UND SCHWEREN CHRONISCHEN ERKRANKUNGEN

Kinder mit chronischen Schmerzen bekommen von vielen Seiten unterschiedlichste Meinungen, Diagnosen  und Behandlungsvorschläge zu hören. Häufig haben sie schon Vieles ausprobiert, aber noch keine ausreichende Veränderung der Schmerzen erreicht. 

In dieser Situation ist es für Kinder und Jugendliche wichtig,

1. ernst genommen zu werden:

  • In den Anamnese- und Behandlungsgesprächen sollen die Kinder in dem Maß zu Wort kommen, wie sie über ihre Schmerzen und ihre Lebensumstände berichten möchten/können, auch wenn die Eltern die Situation anders wahrnehmen. 
  • Kinder und Jugendliche benötigen Erklärungsmodelle für chronische Schmerzen, die altersentsprechend formuliert und dadurch für Kinder und Jugendliche verständlich und nachvollziehbar sind. Dabei ist es wichtig, die Kinder und Jugendlichen von Schuldzuweisungen (z.B. „Du simulierst doch nur!“) zu entlasten.
  • Von Anfang an sollte soll durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen (u.a Ärzte, Psychologen, Kinderkrankenschwester, Physiotherapeut) der Einfluss verschiedener Faktoren (somatische, psychische, soziale Einflüsse) berücksichtigt und in einem multimodalen Behandlungsplan umgesetzt werden.


2. dass das familiäre und soziale Umfeld, in dem die Kinder leben, in die Behandlung einbezogen werden:

  • Da Kinder und Jugendliche noch nicht selbst entscheiden können, ist es von großer Bedeutung , insbesondere die Eltern, aber auch andere Familienmitglieder darüber zu informieren, wie sie mit Kindern und Jugendlichen mit chronischen Schmerzen umgehen und sie in ihrer eigenständigen Schmerzbewältigung unterstützen können.
  • Familienangehörigen, Freunden und Lehrern sollen Informationsmaterialen zur Verfügung gestellt werden, mit deren Hilfe die das Kind in einer aktiven Schmerzbewältigung besser unterstützen können.


3. dass auch die Eltern Unterstützung und Beratung erfahren:

  • Auch Eltern geraten durch Schmerzen ihres Kindes in eine schwierige Situation. Kinder und Jugendliche erleben es hilfreich, wenn ihre Eltern ebenso informiert, unterstützt und aufgefangen werden wie sie selbst.

INFORMATIONSPLATTFORM

Bereitstellung einer Informationsplattform für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen und psychologische Psychoterapeut*innen

Detaillierte Informationen über Weiterbildungsmöglichkeiten (u.a. i.R. der Weiterbildung Psychologische Schmerztherapie, Schmerz- und Palliativkonferenzen, Weiterbildung Spezielle Schmerztherapie und Palliativseminar) finden Sie unter http://www.deutsches-kinderschmerzzentrum.de/

AKTUELLER STAND DER FORSCHUNG

Wir haben Ihnen zwei relevante Quellen zusammengestellt, die Sie über den aktuellen Stand der Forschung in den Bereichen Kinderschmerztherapie und Pädiatrische Palliativmedizin informieren:

  • Internationale Publikationsliste der Special Interest Group on Pain in Childhood (SIG der International Association for the Study of Pain, IASP)
    Die Special Interest Group (SIG) setzt sich aus nationalen und internationalen KlinikerInnen und ForscherInnen zusammen. Sie hat zum Ziel, das Wissen um Schmerzen im Kindesalter weltweit zu verbreiten, relevante Informationen zur Schmerztherapie zur Verfügung zu stellen und interdisziplinäre Forschung zu stärken. Die SIG stellt vierteljährlich neue Publikationen im Bereich Schmerz bei Kindern zusammen: www.childpain.org/recentpubs/ . 
    Die SIG gibt außerdem vierteljährlich den Pediatric Pain Letter heraus: www.childpain.org/ppl/ . 
     
  • Aktuelle Forschungsschwerpunkte und Publikationen der Arbeitsgruppe „Schmerzpsychotherapie bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen“
    Die Arbeitsgruppe verfolgt akutell folgende Forschungsschwerpunkte
    – Diagnostik von chronischen Schmerzen im Kindes- und Jugendalter;
    – http://www.deutsches-kinderschmerzzentrum.de/aerztetherapeuten/frageboegen-und-tagebuecher/
    – Überprüfung der Wirksamkeit von ambulanten und stationären multimodalen schmerztherapeutischen Programmen 
    – Spezielle Probleme in der Pädiatrischen Palliativversorgung

Eine Übersicht über sämtliche Forschungsprojekte der Arbeitsgruppe finden Sie unter: 

http://www.uni-wh.de/gesundheit/lehrstuhl-kinderschmerztherapie-palliativmedizin/forschung/ 

Die aktuelle Publikationsliste der Arbeitsgruppe findet sich unter: 

http://www.uni-wh.de/gesundheit/lehrstuhl-kinderschmerztherapie-palliativmedizin/publikationen/

Für weitere Anfragen: hechler@uni-trier.de.

ANLAUFSTELLEN UND ADRESSEN

Fachgesellschaften

Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS) 

Arbeitskreis Schmerztherapie bei Kindern der DGSS

Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG)

Behandlungseinrichtungen und - angebote

Deutsches Kinderschmerzzentrum
Vestische Kinder- und Jugendklinik Datteln
Universität Witten/Herdecke
Dr.-Friedrich-Steiner-Str. 5
45711 Datteln
Tel.: 02363/975-180
E-Mail: kinderklinik-datteln 
http://www.deutsches-kinderschmerzzentrum.de/

DRK Schmerz-Zentrum Mainz
Auf der Steig 16
55131 Mainz
Tel.: 0 6131/9 88-0
E-Mail: drk-schmerz-zentrum
http://www.drk-schmerz-zentrum.de

Schmerzklinik Kiel GmbH & Co KG
Heikendorfer Weg 9-27
24149 Kiel
Tel.: 0431/20099-0
E-Mail: schmerzklinik
http://www.schmerzklinik.de

Schmerzklinik des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil GmbH
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 02 34/302-6632 
E-Mail: bergmannsheil
http://www.bergmannsheil.de/1160.0.html?&L=0clas

Georg-August-Universität Göttingen
Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie
Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie
Prof. Dr. Birgit Kröner-Herwig
Goßlerstr. 14
37073 Göttingen
Tel.: 0551/39-3581 
E-Mail: bkroene 
http://www.psych.uni-goettingen.de/einrichtungen/abteilungen/klinische-psychologie-und-psychotherapie

Verhaltenstherapeutische Ambulanz der Justus-Liebig-Universität Gießen Schwerpunkt Schmerz im Kindes- und Jugendalter
Prof. Dr. Christiane Hermann, Dipl.-Psych. Silke Leifheit
Südanlage 30
35390 Giessen
Tel.: 0641/39990644 (AB), 0641-2093300 (Empfang)
E-Mail: Kinderschmerz@psychol.uni-giessen.de
http://www.uni-giessen.de/fbz/fb06/psychologie/weitere-inst/Ambulanz/vtambulanz/Behandlungsschwerpunkte/schmerz

Zentrum Integrative Kinderschmerztherapie und Palliativmedizin
Am Ev. Krankenhaus Alsterdorf
Delfin Kids
Dr. Raymund Pothmann
Alsterdorfer Markt 8 
22297 Hamburg
Telefon: 040 - 500 977 272
E-Mail: delfin-kids
http://www.delfin-kids.de

PALLIATIV- UND HOSPIZEINRICHTUNGEN

Die ständig wachsende Zahl der stationären und ambulanten palliativen Einrichtungen kennzeichnet deren Bedeutsamkeit und die Fortschritte für die Versorgung sterbenskranker Menschen in Deutschland.
Der Wegweiser Hospiz und Palliativmedizin Deutschland stellt umfassende und aktuelle Informationen über die vorhandenen stationären Einrichtungen und ambulanten Palliativdiensten in Deutschland zur Verfügung. Dieser Wegweiser wird von R. Sabatowski, L. Radbruch, F. Nauck, J. Roß, B. Zernikow herausgegeben und im Internet (www.wegweiser-hospiz-palliativmedizin.de) aktualisiert.